| Zurück! Und zwar seit einer Woche. Die Standardfrage, die wir im Moment fast mehrmals täglich beantworten müssen, lautet natürlich: »Und? Wie war's?« Die kürzest mögliche Antwort lautet dann: »Traumhaft!« Die ausführliche Antwort wird dann in dem allfälligen Reisebericht und einer Bildergalerie gegeben werden, trotzdem kurz zusammengefasst ein Resumee:
Ziel war, nach drei Quasi-TR-Umrundungen, die Strecke zugunsten intensiveren Erlebens etwas abzukürzen, der Fokus sollte auf weniger frequentierten Gegenden und Orten liegen. Ersteres ist mit einer Streckenlänge von etwa 5.500 km (statt der »üblichen« 7.000) gut gelungen, das andere Ziel zu etwa 80%, sprich: ein paar unvermeidliche Streckendoppelungen, einige Ziele (vor allem Unterkünfte), die wir auf jeden Fall nochmal ansteuern wollten – und dann noch, etwa bei Mardin und Sanliurfa -, Städte, die zwar touristisch erschlossen sind, die wir aber bislang noch nicht intensiv erkundet hatten.
Nach einigen »Verbindungsetappen« ging es an der hethitischen Stätte Alacahüyük »richtig« los (in Hattuscha ganz in der Nähe waren wir ja schon mal). Erwatungsgemäß eines der absoluten Highlights – grundsätzlich und speziell für MR-Fahrer – war dann die »Tas Yolu«, die hinter Divrigi beginnt und bei Kemaliye endet. Zwar nur gut acht Kilometer, 17, roh in den Fels gehauene Tunnel, über 100 Jahre Bauzeit, links die hohen, schroffen Berge, dann der Euphrat, auf der rechten Seite auch Fels mit eben der »Yol« – ein wirklicher Traum. Zudem völlig menschenleer, ein einziges Fahrzeug begegnete uns auf der natürlich unbefestigten Piste. Und am Ende wartete dann das schöne, durch armenische und griechische Architektur geprägte Kemaliye, ein wunderschönes, grünes Städtchen (früher »Egin«), besonders toll die herrlichen Erkerhäuser, die sich den Hang hochziehen. Ein Ort, von dem ich ganz egoistisch hoffe, dass er nicht so schnell den Weg in die Reiseführer finden wird ... Die von Aleviten geprägte Stadt Tunceli war das nächste Ziel, von dort Touren in den herrlichen Munzur-Nationalpark. Durchs Gebirge östlich von Elazig ging es dann Richtung Tur Abdin, Unterkunft selbstredend in Savur. Von dort konnten wir dann mal, unbelastet von der Motorradkleidung, Mardin unter die Lupe nehmen (und tatsächlich auch einen der berühmten Müllesel vor die Kamera bekommen). In der Nähe von Savur konnten wir in einem aramäischen Fast-Geisterdorf die Inbetriebnahme einer neuen Kirchenglocke miterleben. Von dort ging es zu einem kleinen Abstecher ins unwirkliche Tektek-Gebirge östlich von Harran, nach Sogmatar. Echt etwas unheimlich ... Und dann eben nach Sanliurfa, dass wir wegen unserer Abneigung gegen Großstädte immer links liegen gelassen haben. Allein der Basar mit den Händlern, die säckeweise Feinschnitttabak verkaufen, ist eine Wucht, daneben natürlich auch die Sehenswürdigkeiten, insbesondere die Gegend um den Balikli Göl. Kappadokien ist Pflicht, die Wanderung durch das Gomeda-Tal bildete den dortigen Höhepunkt. Dann ging es über Aksaray und Karapinar zunächst zum Meke Gölü – etwas enttäuschend, da auch der untere, den Krater umgebende See, nur noch partiell vorhanden ist. Trotzdem haben wir in der Mittagshitze den Aufstieg zum oberen Krater gemacht (in MR-Kleidung – ich schwitze jetzt noch ...) Fast auf dem Weg – so dachten wir – liegen dann Madensehri und Binbirkilise. War dann doch eine ziemlich staubige Gurkerei, die sich aber gelohnt hat. Der Opa mit steifer Hüfte und Gehstock jagte uns über die Ruinenfelder, die teilweise (»Steineklau«) mit dem Dorf verwachsen sind. Über Karaman ging es am nächsten Tag durch die Berge nach Kizilot bei Manavgat, wo wir etwas ausspannten. Um die Stadt noch etwas besser inspizieren zu können, sind wir dann noch zwei Nächte in Afyon geblieben, nicht, ohne die dortige Sucuk auch als Döner probiert zu haben. Zum Schluss haben wir uns dann noch vier Nächte auf der schon etwas mondänen Insel Bozcaada gegönnt – mit phantastischem Essen (Seebarschfilet in Senfsoße als Vorspeise klingt zwar nicht Türkisch, schmeckt aber trotzdem) und dem dortigen Wein. Dann fix weiter nach Griechenland, wo wir dann noch final drei Tage abhingen. (Einiges habe ich naturgemäß noch unterschlagen.)
Gesundheitlich ging es uns ausnehmend gut, nicht mal einen Anflug von Dünnpfiff o.ä., was man üblicherweise einkalkulieren würde. Fahrtechnisch lief es, bis auf einen Fahrfehler von Rendel, der fatal hätte sein können, auch rund, auch Rendel hat ihr Mopped nicht einmal umgeschmissen. Dass ich an einem der Motorräder ein Radlager wechseln musste, ist nicht weiter erwähnenswert.
Okay, das als kurze Rückmeldung, Details brauchen noch ein wenig. Aber ich habe – wie einst Hemingway selig – meine Erlebnisse alle in einem Moleskin-Notizbuch festgehalten und werde sie bei Gelegenheit aufbereiten. Auf jeden Fall hat sich der Eindruck bestätigt, dass wir die TR noch lange bereisen könnten, ohne viel doppelt gesehen zu haben.
Detlev & Rendel |