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susanne07 | 01.11.2007 | 11:00 Uhr | ID 50699
Kirchenruine in Alanya

Habe vor ein paar Tagen in den Hügeln oberhalb von Alanya (Tepe) eine Ruine christlichen Ursprungs entdeckt. Es könnte sich um eine Kapelle, Kirche oder um ein ehemaliges Kloster handeln. Die Ruine wird wohl auch von Gläubigen besucht (es waren zahlreiche Kerzen im Innenraum vorhanden), aber derzeit offenbar von Schafhirten als Unterkunft genutzt.
Weiß hier vielleicht irgendjemand etwas Näheres über diese Ruine? Würde mich über Informationen sehr freuen.

Beiträge
r | 01.11.2007 | 12:44 Uhr | ID 50702
Re: Kirchenruine in Alanya

D i e H ı d r e l l e K i r c h e
Diese Kirche befindet sich 10 km vom Zentrum von Alanya entfernt und innerhalb der Grenzen des Dorfes Hacı Mehmetli.
Diese sich auf einem Abhang zum Mittelmeer befindende Kirche, deren Errichtung in der Hälfte des 19. Jahrhunderts vermutet wird, wird heute von den christlichen und moslemischen Besuchern als ein Ort der Anbetung besichtigt.
Die Kirche, deren Dach aus Holz, Mauern aus Steinen besteht und eine Apsis besitzt, ist in rechteckigem Plan errichtet worden. In der Kirche gibt es noch einen Raum, der mit Holzschnitzarbeit verziert ist. Die Fresken an den Wänden sind zerfallen.
Von der Bauinschrift erfahren wir, dass die Kirche im Jahre 1873 restauriert worden ist. Diese Inschrift, die im Alanya – Museum ausgestellt wird, wurde mit altgriechischem Alphabet und in türkischer Sprache (Karaman – Türkisch) geschrieben.
Als die in Alanya sesshaften und die türkische Sprache beherrschenden Orthodoxen, während des Austausches im Jahre 1924 nach Griechenland auswanderten, wurde diese Kirche nicht mehr benutzt.
Die Hıdrellez Kirche, in deren Nähe sich eine Wasserquelle befindet, wird auch »Agios Georgios Kirche« genannt

susanne07 | 01.11.2007 | 19:08 Uhr | ID 50722
Re: Kirchenruine in Alanya

Vielen Dank für die fachlich kompetente und ausführliche Information.
Meine Neugierde wurde geweckt, da vor dem Hintergrund der Bemühungen seitens der christlichen Gemeinde in Alanya, seit Jahren einen geeigneten sakralen Raum für Gottesdienste und diverse Festlichkeiten zu finden, bislang nach meiner Kenntnis das Augenmerk immer nur Richtung Kale und dortige Ruine gerichtet hat und nach meinem Dafürhalten der optimale Ort für diese Bedürfnisse hier doch existiert.
Warum wird dieser besondere Ort in einer Art »Dornröschenschlaf« belassen und nicht seinem ursprünglichen Zweck entsprechend gepflegt bzw. genutzt?

r | 01.11.2007 | 20:15 Uhr | ID 50728
Re: Kirchenruine in Alanya

einmal deswegen, weil es sich um eine ehemalige griechisch orthodoxe Kirche handelt, die Führung steht dem ökumenischen Gedanken nicht grade offen gegenüber

und zweitens, weil die »christliche Gemeinde« Alanyas nicht willens zu sein scheint, eigene Mittel für eine Kirche auf zu wenden.

Drittens ist die Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen.

Mir gefällt sie so ehrlich gesagt auch besser, sie dient so als Mahnmal, als Unterschlupf und wird dennoch ab und an von kleinen Gruppen zu Gebetszwecken genutzt.

olga | 02.11.2007 | 22:07 Uhr | ID 50798
Re: Kirchenruine in Alanya

Hm, ich weiß nicht...

Eine christliche Gemeinde in Antalya hat sich jahrelang bemüht, eine verfallene Kirche (Kapelle) im Stadtzentrum zu erwerben. Der Kauf an sich wäre kein Problem gewesen, aber eine Genehmigung zur Nutzung als Gottesdienstraum konnten sie leider nicht bekommen...

r | 03.11.2007 | 19:17 Uhr | ID 50838
Re: Kirchenruine in Alanya

na ich kenne allein in der Altstadt (Kaleici) in Antalya zwei christliche Gemeinden, die dort auch Gottesdienste abhalten.

Allerdings haben die auch nicht, wie die potentiellen Kirchgänger in Alanya, ständig nach Hilfe durch den türkischen Staat gerufen, sondern selber die Geldbeutel aufgemacht.

Maus | 24.01.2008 | 14:31 Uhr | ID 55249
Re: Kirchenruine in Alanya

Das Problem in der Türkei ist, das der türkische Staat zwar theoretische eine Trennung von Staat und İslam hochhaelt, aber es praktisch wie in Europa nicht funktioniert. Denn diese Trennung von Staat und Kirche kommt aus den Christetum und nicht aus den İslam. Weil der türkische Staat sich am Ende doch als moslimscher Staat versteht, entlohnt er die İmame in der Mosche auch und sendet muslimische Missionare auf Kosten des Staates z.B. nach Deutschland. So ist es auch nicht verwunderlich das der türkische Staat lieber eine Kirche verfallen laesst als sie den alten Zweck entsprechen wieder zurückzugeben. Das ist halt türkisch. Und deshalb ist der Kommentar, das sie den Geldbeutel aufmachen eine typisch türkisch moslimische Bettlermentalitaet gegenüber den Christen

r | 24.01.2008 | 18:46 Uhr | ID 55270
Re: Kirchenruine in Alanya

>>Und deshalb ist der Kommentar, das sie den Geldbeutel aufmachen eine typisch türkisch moslimische Bettlermentalitaet gegenüber den Christen<<

genau das Gegenteil ist der Fall, die »Christen« wollen Hilfe vom türkischen Staat.

Der Laizismus ist auch keine christliche Erfindung, sondern stamm z.B. in Frankreich aus Zeiten der revolutionären Umtriebe, da war man gar nicht christlich eingestellt und trennte Staat und Kirche strikt.

Und, Moscheen werden aus privaten Spenden finanziert, nicht vom Staat, warum soll er also christliche Kirchen bauen, wenn die potentiellen Nutzer zu geizig sind sich selbst ein Gotteshaus zu bauen?

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