| Re: Kinderfreundlicher Strand am Comer See Habe ich zufaelligerweise gerade gefunden und bestaetigt leider meine Aussage vom letzten Jahr, auch wenn sie nicht gefaellt! Ciao Lina
Aus der Berliner Morgenpost vom 13. August 2007
Italiens Seen sind stark verschmutzt Fäkalkeime aus Abwässern gefährden Urlauber und Anwohner – »Die Lage ist extrem beunruhigend« Von Nicole Dolif
Rom – Er ist der See der Reichen und Schönen. Hollywoodstar George Clooney besitzt am Westufer des Comer Sees seit 2002 eine Villa. Brad Pitt, Julia Roberts, Matt Damon, Andy Garcia und Catherine Zeta-Jones haben ihn in dem Prachtbau mit Seeblick aus dem 18. Jahrhundert in dem kleinen Örtchen Laglio bereits besucht. Doch das Wasser, auf das George Clooney aus seiner Villa blickt, ist so stark verschmutzt wie nirgendwo anders in Italien.
Dies ergab eine neue Untersuchung der italienischen Umweltorganisation Legambiente. Dabei wurden im Juni und Juli insgesamt 150 Wasserproben aus 22 Seen in Mittel- und Oberitalien entnommen und in einem mobilen Labor auf ihre Belastung mit den Fäkalkeimen Kolibakterien, Streptokokken und Escherichia coli untersucht. Das Ergebnis ist verheerend: Bei 70 Prozent der Proben wurden die zulässigen Grenzwerte überschritten – zum Teil um ein Vielfaches.
Vor allem in Laglio am Comer See, wo die Villa von George Clooney steht, wurde der Grenzwert für Escherichia coli um das Doppelte überschritten, die Belastung mit fäkalen Streptokokken ist zehnmal so hoch wie gesetzlich zugelassen, der Grenzwert für fäkale Kolibakterien wurde sogar um das 68-Fache überschritten. Laglio gehört damit zu den sieben Orten am Comer See, deren Wasser von der Legambiente als »stark belastet« eingestuft wurden. Außerdem gehören dazu noch die Badestellen in Argegno, Lenno, Torno und Tremezzo. Nur in Dongo, Lezzeno und Menaggio entspricht das Wasser des Comer Sees den gesetzlichen Vorgaben.
Am Lago Maggiore ergaben immerhin sieben von zehn Proben eine Belastung des Wassers. Und am Lago di Lugano waren sogar sämtliche Gewässerproben jenseits der gesetzlichen Grenzwerte. An den belasteten Stellen sollte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gebadet werden. Die Bakterien können Hautentzündungen, Durchfall und Erbrechen verursachen.
»Die Situation ist extrem beunruhigend«, sagt Francesco Ferrante, Vorsitzender der Organisation Legambiente. »Die italienischen Seen sind in einem wesentlich schlechteren Zustand als das Meer.« Bei den Meeren ist es während der letzten 20 Jahre gelungen, die Wasserqualität deutlich zu verbessern. Bei den Seen dagegen wurde noch im vergangenen Jahr nur bei 40 Prozent der Wasserproben der Grenzwert der Fäkalkeime überschritten. In diesem Jahr sind schon 70 Prozent der Proben belastet.
Die Verschmutzung hat vor allem eine Ursache: Es wird noch immer ungeklärtes Abwasser in die Seen geleitet, da die Kläranlagen aus den 70er-Jahren zu klein und zu alt sind. Dabei gibt es eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000, die festlegt, dass bis 2016 eine gute Wasserqualität erreicht werden soll. Doch die Region Lombardei sagt schon jetzt, dass sie das bei einigen Seen wohl nicht schaffen wird.
Am besten abgeschnitten bei der aktuellen Probenentnahme hat der Gardasee. Zwar lagen auch hier 58 Prozent der Proben über dem Grenzwert für Fäkalkeime. Allerdings ergaben nur drei der 25 Proben eine Belastung oder starke Belastung. Jeweils elf Proben ergaben eine leichte oder sogar gar keine Verschmutzung jenseits der Grenzwerte.
Dennoch kann auch für den Gardasee keine Entwarnung gegeben werden. Denn er leidet an akutem Wassermangel. Nach dem regenarmen Winter und Frühjahr nähert sich der Wasserspiegel des Sees rasant seinem historischen Tiefstand. Dieser wurde am 15. September 2003 gemessen und lag bei acht Zentimetern über dem Meeresspiegel – der Normalwert für den Gardasee ist 1,50 Meter. Gegenwärtig liegt der Wasserspiegel bei 15 Zentimetern über dem Meeresspiegel. Seit Mitte Juni ist der Wasserspiegel um vierzig Zentimeter gesunken. Und das Wasser sinkt weiter, täglich um einen Zentimeter. Ausflugsschiffe können teilweise nicht mehr fahren. »Wir bieten den Touristen ein trostloses Schauspiel, und niemand tut etwas«, sagt der Bürgermeister von Sirmione, Maurizio Ferrari. Das Wasser hat sich an den Stränden weit zurückgezogen. Auf dem freigelegten Seeboden wächst Unkraut. »Nicht einmal ein Tretboot bekommt man noch ins Wasser«, sagt Ferrari.
Der Grund für den Wassermangel ist vor allem die übermäßige Wasserentnahme durch die Landwirtschaft. Gegenwärtig verliert der Gardasee jede Sekunde 39 Kubikmeter Wasser, das meiste davon für Bewässerungszwecke. Schätzungen zufolge kommen jedoch 40 Prozent des Wassers nie auf den Feldern an, sondern versickern wegen löchriger Rohre. Franceso Ferrante von der Legambiente fordert eine konzertierte Aktion: »Damit die Seen sich erholen können, bedarf es der koordinierten Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, der Wirtschaft und der Regierung«, sagt er, »bei den Meeren war das erfolgreich.« |